Katzenkastrationen im Südschwarzwald

Hintergrund

Im Schwarzwald, wie in fast allen ländlichen Regionen Deutschlands, läßt sich nicht nur das Problem herrenloser und wilder Katzen feststellen, die in Wäldern, Waldrändern und im Umfeld von landwirtschaftlichen Betrieben ihr Dasein fristen, sondern auch die Lebens-umstände vieler Katzen, die scheinbar zu einem Hof gehören, sind häufig als problematisch zu bezeichnen.

Katzen vor Boxen
Auf dem Weg

Diese „Bauernhofkatzen“ sind auf nahezu jedem Hof zu beobachten, wo sie dazu genutzt werden, die Mäusepopulation auf dem Hofgelände selbst, aber auch auf den bewirtschafteten Flächen einzudämmen. Oft bleiben die Tiere sich selbst überlassen ohne Futter und Betreuung, was die Ausbreitung von Krankheitserregern fördert und zu einer Überpopulation führt, woraus Revierkämpfe wegen zu kleiner Jagdreviere entstehen. Das Resultat dieser Situation läßt sich vielfach an den Straßenrändern beobachten, wo hauptsächlich junge Kater Opfer des Straßenverkehrs werden, da sie – von ihrem Heimathof vertrieben – nun auf der Suche nach neuen Revieren sind, wofür sie große Strecken in unbekanntem Gebiet zurücklegen müssen. Erschwerend kommt die auf abgelegenen Gehöften immer noch anzutreffende Praxis hinzu, die Katzenpopulation durch archaische Methoden wie Erschlagen oder Ertränken zu „kontrollieren“, obwohl dies einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt und mit Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren geahndet werden könnte.

Bei der Tierärztin
Bei der Tierärztin

Konzeption

Eine juristische Konfrontation wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz ist unseres Erachtens wenig hilfreich, zumal auch wegen der meist schwierigen Beweislage. Mit diesem Projekt wollen wir einerseits konkreten Tierschutz leisten und andererseits durch Beratung und Gespräche an die Vernunft und moralischen Wertvorstellungen aller Tierhalter auch vor dem Hintergrund der christlichen Tierethik appellieren. Ziel ist eine bewusste Wertschätzung auch dieser Lebewesen. Die Stiftung bietet daher finanzielle Anreize, indem sie 90% der anfallenden Kosten für eine Kastration und im Fall einer darüber hinausgehenden notwendigen medizinischen Versorgung die Kosten oftmals vollständig übernimmt. Weiterhin wird der landwirtschaftliche Betrieb durch Hilfestellung beim Einfangen sowie Durchführung des Hin- und Rücktransport zum Tierarzt bzw. Hof hinsichtlich des Zeitaufwandes entlastet.

Umsetzung

Als Kerngebiet des Projektes wurde für 2017 die Gemeinde St._Märgen definiert, wobei im Laufe des Jahres auch die Nachbargemeinden Breitnau, Buchenbach und Wagensteig in den Aktionsradius miteinbezogen wurden.

Wieder daheim!
Wieder daheim!

Nachdem bereits im Frühjahr 2017 zwei an das von dem Projekt abgedeckte Gebiet angrenzende Tierarztpraxen als Kooperationspartner ge-wonnen werden konnten, wurde unmittelbar danach begonnen, mit den Land- und Forstwirten Kontakt aufzunehmen. Hierfür bedurfte es vornehmlich eines zeitintensiven Anfahrens jedes einzelnen Hofes, um den Hofbesitzern durch direkte und persönliche Kontaktaufnahme vor Ort die Vorzüge einer Katzenkastration aus Sicht sowohl der Tiere als auch der Menschen darzulegen. Zudem wurde über die Kostenübernahme seitens der Stiftung informiert, welche nur eine geringe Eigenbeteiligung seitens der Tierbesitzer vorsieht. Unterstützend wurden bei den Hofbesuchen entsprechende Handzettel an die Haushalte verteilt, auf welchen zum einen die Kontaktdaten der Ansprechpartner der Stiftung und der beteiligten Tierärzte, zum anderen alle wichtigen Informationen über das Projekt übersichtlich und nachvollziehbar zusammengestellt sind. Es war den Hofbesitzern somit möglich, entweder direkt bei dem Hofbesuch oder auch später nach einer gewissen Bedenkzeit durch telephonische Absprache ihre Bereitwilligkeit zur Teilnahme an dem Projekt zu kommunizieren.

In diesem Fall wurde unter Berücksichtigung der räumlichen Lage des Hofes ein Termin mit der nächstgelegenen, kooperierenden Tierarztpraxis vereinbart. Danach wurden zeitnah die für den Transport notwendigen Katzenboxen am Hof angeliefert und die Hofbesitzer falls notwendig entsprechend instruiert. Die Tiere wurden am vereinbarten Tag am Hof abgeholt. Nach Ankunft beim Tierarzt fand vor dem eigentlichen Eingriff eine Untersuchung der Katzen und Kater sowie, sofern erforderlich, eine medizinische Versorgung statt. Hierbei mußte hauptsächlich Milben- oder Flohbefall, vereinzelt aber auch durch Einsatz von Antibiotika Katzenschnupfen behandelt werden. Jungtiere wurden darüber hinaus mit dem RCP-Impfstoff gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche geimpft. Nach erfolgreicher Operation und 24-stündiger Beobachtung in den Praxisräumen wurden die vierbeinigen Patienten am Folgetag schließlich wieder auf den Hof zurückgebracht und in die Freiheit entlassen. Im Fall der geimpften Jungtiere wurden diese nach vier Wochen erneut zum Nachimpfen in die Tierarztpraxis gebracht und danach zu ihrem Hof zurückgefahren.

Bisheriger Stand

Es konnten im Projektjahr 2017 26 Katzen und Kater von insgesamt 6 Höfen kastriert und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. Für die Monate Dezember 2017 und Januar 2018 ist bereits für 6 weitere Tiere ein Kastrationstermin vereinbart. Erfreulich ist, dass sich mittlerweile Hofbesitzer eigenständig bei den beteiligten Tierärzten sowie der Stiftung melden, um ihre Tiere kastrieren zu lassen. Sie haben von dem Projekt erfahren und sind von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von Katzenkastrationen inzwischen überzeugt.

Dr. Johannes Christian Linnemann

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